English for Runaways – Die Anrede in E-Mails und Groß- vs. Kleinschreibung

Englisch sprechen und schreiben zu können, wird im B2B-Bereich heute vorausgesetzt. Diese kleine Serie von Blog Posts beschäftigt sich mit sprachlichen Feinheiten und einigen typischen Fehlern, die Deutsch-Muttersprachlern beim Schreiben schnell unterlaufen – auch wenn sie relativ gut Englisch sprechen.

Mit ein wenig Achtsamkeit wird Ihre Korrespondenz noch professioneller! 

Anrede und Schlussformel in E-Mails

Wie korrespondieren und kommunizieren Unternehmen weltweit in der Regel? Richtig. Per E-Mail. E-Mails werden häufig ohne besonderes Augenmerk auf die Rechtschreibung und unter Zeitdruck geschrieben. Dennoch möchte ich ein paar Grundregeln herauspicken. Fangen wir mit dem Einstieg an: der richtigen Anrede.

Mit „Ladies and Gentlemen“ würde Sie zwar ein Conferencier im Variété begrüßen. In der Geschäftskorrespondenz ist die Formulierung als genderübergreifende Anrede unüblich. Die sehr formelle (aber korrekte) Variante wäre „Dear Sirs“ (ja, im Englischen fällt das weibliche Geschlecht einfach unter den Tisch). Üblich ist heute eher „(Dear) Colleagues“ oder „(Dear ) All“ oder einfach: „Hello Team“. Ist man mit dem Gegenüber etwas vertrauter, darf es auch gerne ein „Hi“ + Name sein. Übrigens wird unter dem Einfluss des Amerikanischen mittlerweile aller unnötiger Ballast weggelassen: also „Team“, „Colleagues“ usw. Das gilt auch für die Anrede von Einzelpersonen!  

Auch die Schlussformel erlaubt eine gewisse Auswahl – je nachdem, welches Verhältnis zwischen Sender und Empfänger besteht:

„Sincerely yours,“ war gestern. Wir schreiben im Deutschen ja auch nicht mehr „Hochachtungsvoll“. Üblich ist heute alles von „Best regards,“ über „Kind regards,“ „Best to you“ und „Best wishes“ bis zu „Cheers“, was allerdings ein sehr salopper und vertrauter Abschiedsgruß ist und sich nicht eignet, wenn Sie einem potenziellen Kunden Ihre erste E-Mail zukommen lassen.

Gross-/Kleinschreibung

Nochmal kurz zurück zur Anrede:

Danach setzen Sie ein Komma, fügen einen Zeilenumbruch ein … und schreiben bitte – anders als im Deutschen – mit einem GROSSBUCHSTABEN weiter!

„Dear Mike,

How are you?…“

Falls Sie ein Newsletter-Tool verwenden: Hier ist die Großschreibung nach der Anrede meist voreingestellt. Denken Sie bitte daran, für deutsche Texte diese Einstellung zu ändern!

Aber zurück zu Groß- und Kleinschreibung. Da geht oft vieles durcheinander. Erinnern Sie sich? Wir haben schon in der Schule gelernt, dass Substantive im Englischen generell kleingeschrieben werden! Ausnahmen sind z. B. Eigennamen (auch Wochentage) und die wichtigste Person überhaupt: „I“.

Allerdings – ganz so simpel ist es wiederum auch nicht: In Überschriften darf großgeschrieben werden (außer Präpositionen). Großgeschrieben werden auch Abkürzungen und Initialwörter (sog. Akronyme) wie IOT (Internet of Things, als Eigenname auch ausgeschrieben mit Großbuchstaben), O&G (oil and gas industry), DIY (do-it-yourself), FY (fiscal year) usw. Wahrscheinlich unter dem Einfluss von Messenger-Diensten, wo meist konsequent kleingeschrieben und abgekürzt wird, haben sich „btw“ (by the way) oder „atm“ (at the moment) entwickelt.

Fazit: Die Dynamik der Sprache ist groß – im Englischen wie im Deutschen. Unter dem Einfluss einer sich stetig verändernden Arbeitswelt entstehen und vergehen Wörter und Redewendungen. Bleiben Sie am Ball!

Jutta Schüler
Autorin / Author